Kriterien der Anerkennung/Zertifizierung

Jeder Zertifizierungs-Level weist entsprechend der Qualifikation, Berufserfahrung und professionellen Weiterentwicklung spezifisch ausgerichtete Kriterien auf. Je nach angestrebtem Zertifizierungs-Level sind unterschiedliche Zertifizierungsrichtlinien zu erfüllen.

1. Berufsethische Prinzipien

Die berufsethischen Prinzipien basieren auf den Grundwerten der Sozialen Arbeit und sind Bestandteil der Anerkennung für alle Zertifizierungslevel.

Das wichtigste Ziel der Klinischen Sozialarbeit ist die Förderung der sozialen und psychischen Gesundheit und des Wohlergehens der Individuen und Familien, welche ihre Dienste in Anspruch nehmen. Die Klinische Sozialarbeit wird durch ethische Prinzipien bestimmt, die in den Grundwerten der Sozialen Arbeit wurzeln. Diese Grundwerte umfassen

  • die Anerkennung der Würde und Selbstbestimmung des Individuums sowie dessen Wohlergehen,
  • die Verpflichtung zu einer professionellen Berufsausübung, die sich durch Kompetenz und Integrität auszeichnet,
  • und die Verbundenheit mit unserer demokratischen Gesellschaft, die all ihren Mitgliedern die gleichen Lebenschancen in gerechter und vorurteilsfreier Weise bieten soll, unabhängig von Nationalität, Religion, Geschlecht oder ethnischer Zugehörigkeit.
  • Die Klinische Sozialarbeit überprüft ihre Aufgabenstellungen und Arbeitssituationen in der Praxis in Bezug auf ethische Probleme. Kernfrage dabei ist immer, ob die Formulierung und Initiierung einer Lösung durch die Klinische Sozialarbeit die Bedingungen der ethischen Berufsausübung erfüllt:
  • Vermeidung von strafbaren Handlungen (den Klienten keinen Schaden zufügen),
  • Wohltätigkeit (den Klienten helfen),
  • Autonomie.

Die folgenden Ausführungen stellen eine spezifische Kodifizierung dieser ethischen Prinzipien dar. Sie sind dafür gedacht, als Standard und Orientierung für Klinische Sozialarbeit in verschiedenen professionellen Situationen und Funktionen zu dienen. Von der Klinischen Sozialarbeit wird erwartet, dass sie diese Prinzipien in ihrem Aufgaben – und Zuständigkeitsbereich berücksichtigt und dass sie nur Verfahrensweisen anwendet, die mit ihrem Geist und Wortlaut übereinstimmen.

2. Zertifizierung zum/zur Klinischen Praktiker/ Klinischen Praktikerin – Clinical Practitioner (CP-ECCSW)

Erworbene Qualifikationen:

  • kann Fachgruppen gründen
  • hat grundlegendes sozialklinisches Profil nachgewiesen
  • kann spezialisierte Basiskompetenzen für sozialklinische Aufgabenstellungen in der Praxis anwenden

Die Zertifizierungsrichtlinien sind:

  • Bachelorabschluss mit klinisch orientiertem Profil (also auch Beratung, etc.) und Mindestbeschäftigung in einer Teilzeitstelle (i.d.R. 50%-Stelle) mit sozialklinischen, beratenden, (sozial-) therapeutischen Aufgabenstellungen.
  • bzw. Teilnahme an einem klinisch orientierten Masterstudium und/oder
  • an einschlägigen durch das ECCSW anerkannten Zertifikats- oder Ausbildungskursen an einem anerkannten Institut bzw. Fortbildungsangebote durch als „Clinical Mentor“ (CM-ECCSW),
  • Teilnahme an einer Fachgruppe / Supervisionsgruppe (ggf. im Rahmen der Weiterbildung oder an der Arbeitsstelle)
  • Anerkennung berufsethischer Prinzipien des ECCSW

3. Zertifizierung zum/zur Fachsozialarbeiterin für Klinische Sozialarbeit / Fachsozialarbeiterin für Klinische Sozialarbeit – Clinical Social Worker (CSW-ECCSW)

Erworbene Qualifikationen:

  • kann Fachgruppen gründen und Klinische Praktiker anleiten/coachen
  • ist durch die Zertifizierungsstelle des ECCSW „qualitätsgeprüft“ und kann ohne Anleitung klinisch-soziale Fallarbeit durchführen und die eigene Fachlichkeit als Gütesiegel in der Praxis darstellen

Die Zertifizierungsrichtlinien sind:

  • Masterabschluss (konsekutiv) in Sozialer Arbeit bzw. Sozialpädagogik oder in Pädagogik mit dem Studienschwerpunkt Sozialarbeit und Nachweis von mindestens 3 Jahren klinisch-sozialarbeiterischer Praxis zum Zeitpunkt der Zertifizierung nach klinisch orientiertem Masterabschluss bei konsekutiven Masterstudiengängen und 50 Std. Selbstreflexion (abzudecken durch Coaching, Selbsterfahrung, Eigenberatung/-therapie im Berufskontext, auch anteilig im Studium ). Bei berufsbegleitenden Masterstudiengängen wird die studienbegleitende Praxiszeit – sofern sie einschlägig klinisch-sozialarbeiterische Tätigkeit umfasst – voll angerechnet.

oder

  • Hochschul-Diplom in Sozialer Arbeit bzw. Sozialpädagogik (oder Diplom in Pädagogik mit dem Studienschwerpunkt Sozialarbeit): mindestens 3 Jahre und dabei 4500 Stunden Berufspraxis, dies entspricht 3 Jahren Tätigkeit im Rahmen einer Vollzeitstelle (bei Teilzeitarbeit entsprechende Zeitverlängerung) nach dem Hochschulabschluss mit klinisch-sozialen Aufgabenstellungen erfolgreich abgeschlossene Fort- bzw. Weiterbildung in Gesprächsführung, Beratung, Psycho- oder Soziotherapie in einem wissenschaftlich fundierten Verfahren im Umfang von mindestens 500 Unterrichtsstunden 50 Std. Selbstreflexion (abzudecken durch Coaching, Selbsterfahrung, Eigenberatung/-therapie im Berufskontext, ggf. auch Einzelsupervision mit entsprechender Bestätigung des Supervisors über einen nennenswerten Anteil personenbezogener Selbstreflexion – kann ggf. auch im Rahmen der Weiter- bzw. Fortbildung erfolgt sein)
  • Anerkennung der berufsethischen Prinzipien und Regeln des ECCSW
  • Empfehlung einer/eines Diplom-Sozialpädagogin/Sozialpädagogen bzw. Diplom-Sozialarbeiterin / Sozialarbeiters mit mindestens 5 Jahren Berufserfahrung (für alle Abschlüsse gültig).
  • Re-Zertifizierung alle 5 Jahre ist verpflichtend

4. Zertifizierung zum/zur Klinischen Mentor/Klinischen Mentorin – Clinical Mentor (CM-ECCSW)

Erworbene Qualifikationen:

  • kann Fortbildungsangebote für Interessierte und Klinische PraktikerInnen zur Anerkennung für die Zertifizierung durchführen (einschließlich Selbstreflexion und Anleitung / Supervision)
  • kann Fortbildungsangebote einschließlich Selbstreflexion zur Re-Zertifizierung für Zertifizierte durchführen
  • Fortbildungsangebote durch Klinische PraktikerInnen werden bei der ZKS mit Konzeptdarstellung und Nachweisen der fachlichen Eignung beantragt

Die Zertifizierungsrichtlinien sind:

  • Erst-Zertifizierung zum/zur Fachsozialarbeiter für Klinische Sozialarbeit / Fachsozialarbeiterin für Klinische Sozialarbeit (CSW-ECCSW)
  • Erfolgreiche Re-Zertifizierung zum CSW-ECCSW. Nach der Re-Zertifizierung kann auf Antrag der Status eines CM-ECCSW mit Ausbildungs- und Anleitungsfunktion verliehen werden. Damit können KandidatInnen, die eine Erlangung der Qualifikation eines / einer FachsozialarbeiterIn (CSW-ZKS) anstreben, aus- bzw. weitergebildet werden. Eine Verkürzung der Zeit zur Re-Zertifizierung kann unter bestimmten Umständen erfolgen. Fragen Sie bitte hierzu in der Geschäftsstelle der ZKS an.
  • Einreichung eines Ausbildungs-/Anleitungskonzeptes mit sozial-klinischem Profil für das entsprechende Handlungsfeld/Arbeitsgebiet.
  • Re-Zertifizierung alle 5 Jahre ist verpflichtend

5. Re-Zertifizierung

Die Re-Zertifizierung ist nach 5 Jahren, ab Erlangung des Titels/Gütesiegels, verpflichtender Bestandteil der Zertifizierungskriterien der Levels „Fachsozialarbeiterin für Klinische Sozialarbeit / Fachsozialarbeiterin für Klinische Sozialarbeit“ – Clinical Social Worker (CSW-ECCSW) und „Klinischen Mentor/Klinischen Mentorin – Clinical Mentor (CM-ECCSW)“. Eine erfolgreiche Re-Zertifizierung erlaubt die weitere Führung des Zertifizierungstitels. Für die Erlangung des Titels Clinical Mentor ist eine einmalige Re-Zertifizierung zum CSW-ECCSW erforderlich, danach alle 5 Jahre.

Im Zentrum der Re-Zertifizierung steht die Sicherung und Erweiterung der fachwissenschaftlichen Aktualität und die Reflexion bzw. Supervision der eigenen beruflichen Tätigkeit.

Geforderter Umfang:

  • pro Jahr 2 Tage bzw.
  • kumuliert 16 Stunden themenbezogene Fortbildung (kann auch im Rahmen einer Themenbearbeitung in einer selbstorganisierten und bei, ECCSW angemeldeten und bestätigten Fachgruppe unter Mitwirkung eines/einer Fachsozialarbeiters bzw. Fachsozialarbeiterin für Klinische Sozialarbeit (FS-ZKS) oder Clinical Mentor (CM-ECCSW) stattfinden)
  • mindestens 12 Stunden pro Jahr Reflexion bzw. Supervision (z.B. im Rahmen der Arbeitsstelle) oder alternativ die Teilnahme an einer beim ECCSW angemeldeten Fachgruppe unter Beteiligung eines / einer Klinischen Fachsozialarbeiters / Fachsozialarbeiterin (CSW-ECCSW).