European Centre for Clinical Social Work

Psychosoziale Diagnostik im Suchtbereich: bio-psycho-sozial Denken und Handeln

AutorInnen:

M.A. Klinischer Sozialarbeiter​ Rolf Glemser

Expertisen:

Abhängigkeitserkrankungen Diagnostik & Evaluation/ Qualitätsmanagement

Bibliographische Angabe:

Glemser, R. (2010): Psychosoziale Diagnostik im Suchtbereich: bio-psycho-sozial Denken und Handeln. In: Archiv für Wissenschaft und Praxis dere Sozialen Arbeit, 41 (4), S. 84-95. : .

Ausgehend von einem bio-psycho-sozialen Krankheits- bzw. Gesundheitskonzepts der Klinischen Sozialarbeit ist es für eine wirkungsvolle und auf den Menschen abgestimmte psycho-soziale Behandlung unerlässlich, ihn in seiner Individualität und Multidimensionalität wahr zu nehmen. Die Klinische Sozialarbeit kann sich dabei nicht auf medizinische oder psychologische Diagnosekriterien reduzieren lassen, da es die psycho-sozialen Behandlungsprozesse erforderlich machen, eine spezifische Diagnostik zu entwickeln, "die sich aufgrund ihres Schnittstellencharakters zwischen physischen, sozialen und alltagssituativen Dimensionen profilieren und multidimensional und prozessual angelegt werden muß" (Pauls 2004, S. 205).

Das bedeutet, dass nur eine an der Komplexität des jeweiligen Erlebens und Verhaltens der Adressat(inn)en orientierte und reliable Verknüpfung vermeintlich differierenden diagnostische Herangehensweisen eine tragfähige und interventionsleitende psycho-soziale Diagnostik generieren kann (vgl. Gahleitner in diesem Band). Die "Diagnostik ist ein zentrales Element jeder psycho-sozialen Intervention. Sie ist insofern den verschiedenen Grundformen und ihren Methoden zugeordnet, als sie sie sozusagen "durchwirkt": als permanenter Bestandteil jeder Phase des Arbeitsprozesses" (Pauls 2004, S. 204).

Die individuelle psycho-soziale Diagnostik ist nicht statisch oder gar als endgültig zu verstehen, sondern muss um Veränderungen kontinuierlich zu erfassen und die psycho-soziale Behandlung zeitnah und angemessen anzupassen als "Gestaltungsdiagnostik" (vgl. Heiner in diesem Band) im Behandlungsverlauf fortwährend Anwendung finden. Diese Prozessualität psycho-sozialer Diagnostik ist im erkenntnistheoretischen Kontext (vgl. Eberhard 1987) als ein Regelkreis prozessualer Gestaltungsdiagnostik zu verstehen und trägt der Intersubjektivität eines prozessualen Fallverstehens.

nähere Infos zum Sammelband hier: http://verlag.deutscher-verein.de/index.php?main_page=product_info&products_id=177